DIE FIRMA

„Die Firma: 3 Männer, 3 Köpfe, 3 Herzen, 3 Seelen, 3 Alben und das 3. Auge.“               

So müsste im Jahre 2002 wohl ein Lexikoneintrag klingen, der die Kölner Hip Hop Crew beschreibt.  Das 1996 gegründete Trio legt einen Werdegang vor, der im deutschsprachigen Rapbiz seines gleichen sucht.

Ihr erstes Album „Spiel des Lebens/ Spiel des Todes“, das in völliger Eigenregie entstand, d.h. ohne Major Label mit dickem Marketing Budget, verkaufte bis heute mal eben über 60.000 Einheiten.

Ihr zweites Album „Das zweite Kapitel“, das in Zusammenarbeit mit V2 Records auf den Markt geworfen wurde, schoss von 0 auf Platz 8 in den deutschen Album Charts, und findet bis heute kein vergleichbares Werk seiner Gattung.

Der Firma Style ist einzigartig und lässt den Hörer auf Entdeckungsreise gehen, jedes Mal, wenn eines ihrer Alben läuft. Zu vielschichtig sind Musik und Texte, als das man die Firma in eine Schublade stecken könnte. Eine Qualität, die sie im heutigen Rapzirkus auszeichnet.

Was erwartet uns nun vom dritten Opus der kreativen Köpfe?

Wird an gedankliche Tiefgänge und musikalische Höhepunkte angeschlossen? Wird die Firma auf neue Themen expandieren? Wird die Formel vom Firma Produzenten Fader Gladiator „Alles, nur kein Standard!“ weiterverfolgt? Hat Tatwaffe neue Erkenntnisse gewonnen, die er uns mitteilen wird? Kann Def Benski überhaupt noch realer werden, oder seine Stimme gar noch böser? Welche mentalen Kinofilme werden dem Hörer diesmal vorgeführt, und was für eine Reiseausrüstung braucht dieser?

Am Besten einen ebenso offenen Geist, wie offene Ohren, denn die Firma bleibt ihrem Stil treu, ohne auf Quantensprünge in Sachen Weiterentwicklung zu verzichten!

Bereits das Intro, das seiner Bezeichnung alle Ehre macht, stellt klar, wer hier zurück ist. Kein Wischiwaschi Deutschrap, sondern die FIRMA. Der Track arbeitet mit Tempowechseln und so wird der Adrenalinspiegel zwischen 72 BPM und 144 BPM auf eine harte Probe stellen.  „Die Drahtzieher“ lautet dann auch der Opener - Track, der klarstellt, das alles anders bleibt.

Was folgt sind pumpende Nummern, wie die erste Single Auskopplung „Hör Ma!“, die bouncender nicht sein könnte und mit den Maschinengewehr Raps von Benski und Tatwaffe eine Traumhochzeit eingeht. Das dazugehörige Video, das in Kuba gedreht wurde, wird weitere Maßstäbe setzen.

Stücke wie „Bei Nacht“, mit seiner in den Bann ziehenden 80er Atmosphäre, „La Honda“, das das dritte Auge dann auch mal blinzeln lässt, oder „Strassenfest“ untermauern dann den Status der Firma als ungekrönte Abgeh - Kings, die live rocken wie kein anderer.

Krasser wird es dann nur noch bei „LAUTA“, das wohl fast schon bedenkliche Ansprüche an die Sprunggelenke der Firma Fans stellen wird. Ein weiterer Klassiker dieser Art wird der Köln Berlin Allstar Track „Wir sind ...“ mit den afrokalyptischen Spezializtz und den alten Newcomern Da Fource, sowie dem kompletten Lacosamia Tribe, bestehend aus Gianni, Nesti und Ventura werden. Alles frei nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Filme dürfen dann bei Nummern wie „Feindliche Übernahme“ gefahren werden. Diese Agentenstory hätte Ian Fleming wohl nicht packender kreieren können, und beweist die Storyteller Fähigkeiten der zwei Firma MCs. Grosses Kino, das einen Oskar verdient hätte und ein Buch wäre, das man, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legt.

Der Firma Klassiker „Bewegliche Ziele“ bekommt seinen zweiten Teil, diesmal mit Benski und Tatwaffe als die Gejagten, der genial aus zwei Blickwinkeln erzählt wird, und einige Seitenhiebe an das Musikbusiness nicht nur vermuten lässt.

Den Höhepunkt bildet hier Tatwaffes Solowerk „Die dunkle Seite des Mondes“, das genial in Szene gesetzt, Tatwaffe als eine Art Major Tom der Neuzeit, Teil eines Experimentes werden lässt, das er selbst erst gegen Ende des Songs begreift. Ein Track, der nicht nur bei Akte X Freaks, den Glauben an ausserirdische Wesen bestärken wird. Gut, dass der Mann uns erzählt, was uns die Regierungen bisher verschwiegen...;-)

Doch auch die deepen Tracks, die hier das Ying zum Yang bilden, beweisen einmal mehr die ganz eigene Klasse der Firma. Da hören wir Tracks wie „Kopf hoch“, der nichts beschönigt, uns aber das Prinzip Hoffnung in schweren Zeiten wiederentdecken lassen. Oder das auch vor Selbstkritik nicht zurückschreckende „Mosaik“, das das Leben als ein eben solches beschreibt.

Richtig an die Nieren gehen dann Stücke wie Benski’s sehr persönlicher „Abschiedsbrief“, der Gefühle in Worte fasst, denen man sich oft verschliesst und der die Verzweiflung, die manchmal in uns allen steckt, auf den Punkt bringt.

„Kein Ende in Sicht“ beschreibt Tatwaffes Ansichten zu den Ereignissen des 11. Septembers 2001 und dessen Auswirkungen und lässt die Diskussion um Gut und Böse dann unter einem völlig neuen Licht erscheinen.

Abgerundet wird „Das 3. Auge“ dann von Tracks wie „Unterwegs“, der einen festen Platz im Tapedeck jedes Cruisers finden wird, und das eigentlich unbeschreibliche „Fahrgefühl“ in Worte verfasst.

Als Überraschungsgast auf „Das 3. Auge“ taucht dann das Stuttgarter Reimemonster Afrob auf, und beschreibt mit Tatwaffe und Def Benski die „Hektik“, die die Großstadt und ihr Leben so mit sich bringen. Untermalt von einem Track, der wie die berühmte Faust auf´s Auge passt, sieht man hier, dass das Zusammenspiel der drei MCs mehr als gut läuft und etwaiger Städtebeef bei der Firma keinen Platz findet.

Zusammengehalten und untermauert wird die textliche Vielfalt von Lacosamia Mastermind Fader Gladiator. Man hört, dass er und seine MCs zu einer Einheit verschmolzen sind und hier jeder weiss, was er tut. Seien es die old schooligen Sounds bei „Bei Nacht“, die wohl auch so manches B - Boy Herz höher schlagen lassen werden, die für ihn so berühmten Geigen bei nachdenklichen Stücken wie „Mosaik“, oder unerwartet schnelle, clubartige Tracks wie „Hör Ma!“.

Auf „Das 3. Auge“ kommen die gefühlvollen Seiten eines Komponisten ebenso zum Vorschein, wie die brachiale Power, die die Jungs für manche ihrer Reime brauchen.  Hier ist eben zusammengewachsen, was zusammen gehört.

Alles in allem ist Fader Gladiator, Tatwaffe und Def Benski ein Werk gelungen, das mehr als ein würdiger Nachfolger ihrer ersten beiden Alben ist!  Wenn nicht sogar das beste Firma Album aller Zeiten. Selten standen Vielseitigkeit und Beständigkeit, Tiefe und Klarheit, Bühne und Strasse, Eigenständigkeit und kreative Öffnungen so im Einklang wie auf diesem Album.

Und trotzdem bleibt es dem Hörer überlassen, wie weit er sich diesem Werk öffnen möchte, denn Grenzen gibt es hier keine.

Kein Song, in dem man nicht immer wieder neue Facetten findet, neue Orte entdeckt und neue Ansichten gewinnen kann.

So bleibt eigentlich nur eine Entscheidung übrig: Weltreise oder „Das 3. Auge“!  Es gibt viel zu entdecken, gute Fahrt!

 

Offz. Homepage: DIE FIRMA

 

Zu Gast DIE FIRMA bei kenfm am 10.02.02

 

Am 12.03.02 führte die Tour - Das dritte Auge -  DIE FIRMA nach Berlin. 

Hier geht es zum Bericht und Fotos vom Konzert.

 

Fast unbemerkt erschien ihr neues Album bis die Single "Die Eine oder keine 2005" erschien. Damit haben sie einen absoluten Hit gelandet und auch die neuste Single "An Tage wie diesem" zeigt das man mit "Die Firma" auch weiterhin rechnen muss. Eine Band die man nicht unterschätzen sollte!

 

 

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