SCOOTER

SCOOTER

FOTO: Petra Preuß

"Techno ist tot?!"

Keine andere Musikrichtung wurde so oft totgesagt, wie das, was sich Ende der achtziger Jahre aus einem Haufen kreativer Leute in England, Benelux und Deutschland entwickelte. Mit einer bis dato eher unbedeutenden Drummachine (Roland TR-909), ein paar Synthies und einem kommerziell geflopten Bassynthesizer (Roland TB-303), begann damals die wahrscheinlich letzte echte Revolution in der Musikgeschichte. Ob gehasst, geliebt, verhöhnt oder gehyped, war Techno vor allem immer eines: polarisierend.

In bester Analogität dazu präsentiert sich die Geschichte einer Gruppe, dessen Name seit fast 10 Jahren aus der europäischen Dance-Szene nicht wegzudenken ist - Scooter. Es gibt wenige Bands, an denen sich die Geister so scheiden, wie bei den drei hamburger Produzenten, die, zusammen mit ihrem Manager Jens Thele, seit Mai ´94 die internationalen Charts aufmischen. Unzählige Top Ten-Hits, Veröffentlicheungen in über 30 Ländern weltweit, unzählige Platin- und Goldauszeichnungen sowie diverse Musikpreise, Konzerte vor bis zu 80.000 Zuschauern und nicht zuletzt ca. 10 Millionen verkaufte Tonträger säumen den Karriereweg dieser Ausnahmeband. So machen HP, Rick und Jay auch keinen Hehl daraus, dass sie stolz sind auf das Erreichte: „Erst wenn sich keiner mehr über uns aufregt, dann können wir nach Hause gehen“, so der kollektive Leitsatz der Band.

Doch was nach außen so einfach und fast schon wie von langer Hand geplant aussah, war in Wirklichkeit ein langer steiniger Weg, der eigentlich so gar nicht in unsere „auf Knopfdruck“ - Gesellschaft passt: „ Da sitzt du jahrelang im Keller, produzierst wie ein Irrer, erlebst nur Flops, und wenn du denkst, jetzt wird es nichts mehr, hast du plötzlich einen europaweiten Top Five -Hit“ bringt Frontmann H.P. seine Eindrücke vom Karrierestart, damals noch mit Keyboarder Ferris Bueller, auf den Punkt und fügt hinzu: „ und dann denkt alle Welt - die sind doch eh nur gecastet, selber machen die bestimmt nichts. - eine merkwürdige Erfahrung“.

Jedoch schon 1995 strafen Scooter jene Kritiker Lügen, die die Band als „One-Hit-Wonder“ abtun wollten: nach „Hyper Hyper“ folgen mit „Move Your Ass“, „Friends“, „Endless Summer” und „Back In The UK“, noch vier weitere Top Five - Hits, Scooter etablieren sich. Mit Kreativität, Witz und einer gehörigen Portion Selbstironie ( „We Are The Greatest“, 1998) schaffen es die drei, ihre Fans und Kritiker immer wieder aufs Neue zu überraschen. Mal ist es die Adaption des „Miss Marple - Titelthemas“, das im Refrain den Ton angibt, mal ein Gitarrenriff („Fire“), bei dem 1997 sogar die damals existierende Vereinigung „Rockmusiker gegen Techno e.V.“ ihren Vereinszweck angezweifelt haben dürfte.

Scooter - das ist nicht nur eine Band, es ist ein Lebensgefühl, und wer die Jungs kennt, weiß, dass „Party“ bei Scooter keine leere Worthülse ist.

Dennoch läßt das musikalische Konzept immer wieder Platz für nachdenkliche Momente: „No Fate“(1997), „She´s The Sun“(2000) oder auch beispielsweise „Dancing In The Moonlight“ (Albumtrack, Age Of Love,1997) zeigen die musikalische Bandbreite auf, die Scooter von landläufigen Techno - und Danceacts unterscheidet.

SCOOTER

Foto: © Petra Preuss

Was ist denn nun das Geheimrezept, das hinter dem konstanten Erfolg von Scooter steht?

Die Arbeitsverteilung ist klar: Jay, im Februar 2001 nach dem Ausstieg von Axel zu Scooter gestoßen, bildet den DJ-Part der Gruppe und kümmert sich dabei vorwiegend um Basisgrooves und die neusten Trends im Underground. H.P. schreibt nicht nur nahezu 100% aller Texte , sondern liefert oft auch die kreative Basis, auf der die für Scooter bezeichnenden, irrwitzigen Refrains aufbauen; Rick steuert den konservativ-musikalischen Teil zum Ganzen bei. Außerdem teilt er sich mit Jay den Job des Technikers.

Abgerundet wird das Team von Jens Thele, der in seiner Funktion als Manager von Scooter „mal so nebenher” noch das Label „Kontor-Records” aufbaute, von wo aus er auch „Sheffield Tunes”, das Scooter-eigene Exklusivlabel, betreut.

Und wer einmal eine Live-Performance von Scooter gesehen hat, weiß, daß das Live-Feeling von Punk und Rock ´n´ Roll nicht zwangläufig auf Gitarrenbands festgeschrieben ist.

Aber der eigentliche Grund des Erfolges liegt woanders: Es ist diese Ungezwungenheit, die Musik gewordene Lust am Ausflippen und Abdrehen, die, kombiniert mit Spielwitz und Experimentierfreude den roten Faden spinnt, der sich durch die mittlerweile 24 Singles und zwölf Alben von Scooter zieht. Teamgeist, der Spaß und Streit miteinander, und auch die Erlebnisse aus zehn Jahren Tour- und Studioalltag haben aus Scooter eine der wahrscheinlich letzten authentischen Selfmade-Bands in den Charts geformt.

Bei ihrem neunten Album „We Bring The Noise“ zeigten Scooter klar, wo ihre Stärken liegen: Mit einer Frische, die an die oft zitierte Unverkrampftheit eines Debut-Albums erinnert, wurde vom Commodore C64 gesampelt ( „Are You Happy?“), wurden Gesangspassagen hochgepitcht („Posse (I Need You On The Floor)“) und Breakbeat-Loops verfremdet und eingebaut. Auch aus ihrer Verbundenheit zum Electro („Burn The House“) machen die drei Jungs kein Geheimnis.

Scooter besinnen sich einfach auf ihre Wurzeln ohne dabei den Muff alter Zeiten stupide wieder aufzukochen.

So ist „We Bring The Noise” unterm Strich eine Reminessenz an die frühen, unverbrauchten Tage des Techno, als einfach nur gefeiert wurde, ohne viel darüber zu diskutieren, ob man gerade zu einem Trance, Techno- oder Electro-Groove tanzt.

Auch ihr Chart-Stürmer “Aiii Shot The DJ“ bedeutet einfach nur Party. Großartige Piano-Parts erinnern an alten Happy-Hardcore-Zeiten, H.Ps Vocal Parts klingen frischer und motivierter denn je. “Aiii Shot The DJ“ ist eine Club-Bombe par excellence, und das macht sich auch in den Charts bemerkbar (Media-Control #27). Vielleicht nicht zuletzt durch die Atem beraubende Gastrolle von Comedy-Star Helge Schneider.

SCOOTER UND CITY bei der Party "30 Jahre City"

Foto: © Petra Preuss

Doch wer denkt, dass sich die Jungs nach diesen Erfolgen genüßlich auf die faule Haut legen, sieht sich getäuscht. Im Dezember 2001 läutete ein neuer Track aus Scooters Soundschmiede mit innovativem Beat und eingängigen Hooks die Weihnachtszeit ein. „The Logical Song!“ platzierte sich nicht nur in Deutschland in die oberen Rängen der Charts, sondern auch im fernen Australien auf Platz # 1 und in England auf # 2 der Sales Charts.

Dieser Song kündigte das Album “Push The Beat For This Jam (The Second Chapter)“ an, welches zum einen eine Retrospektive der erfolgreichen Singles seit “How Much Is The Fish“ aufzeigt als auch drei brandneue Songs offeriert! Zudem erwarteten den Scooter-Fan bisher unveröffentlichte Remixe sowie Mitschnitte von Scooters schon längst legendären Liveauftritten.

Zeitgleich zum VÖ ließ das erfolgreiche Trio es sich nicht nehmen, für seine Fans durch über 20 deutsche Städte zu touren, um ihnen abermals eine spektakuläre Bühnenshow zu bieten.

Nach Beendigung der Tour stand für Axel Coon fest, dass er sich voll und ganz seiner Leidenschaft des dj-ing widmen möchte und bei Scooter sich verabschiedete. Ganz fantastischen Ersatz fand man in Jay Frog, der bereits während der Tour den wegen Krankheit ausgefallenen Axel Coon an diversen Abenden mehr als würdig vertrat.

In neuer Besetzung ging es nun mit Vollgas auf die nächste Single „Nessaja“

(VÖ 08.04.02) zu, die in den Verkaufscharts sofort überzeugte und den Weg im Spurt von Null auf # 1 zurücklegte! Auch hier blieben die phänomenalen Auslandserfolge nicht aus!

Scooter ist längst Kult geworden, da sind sich die Befürworter und Widersacher einig. Das ist auch der Grund, warum die gesamte Entwicklung der Ausnahmeband auf der DVD „Encore - The Wohle Story“ (Verkaufscharts # 1)dokumentiert wird! Spannende Interviews und ein aufschlußreiches Tourtagebuch informieren den Zuschauer, während Konzerte, Videos und andere Livemitschnitte die unverwechselbare Show von Scooter ins heimische Wohnzimmer bringen.

© 2003 Mark Roberts

 

Offz. Homepage:   www.scootertechno.com

 

Discographie / Chart success :

Singles Germany
(0) Vallee de Larmes (12/93)
01. Hyper Hyper (11/94) – Platz 2
02. Move Your Ass (3/95) – Platz 3
03. Friends (7/95) – Platz 3
04. Endless Summer (8/95) – Platz 5
05. Back In The UK (12/95) – Platz 4
06. Let Me Be Your Valentine (3/96) – Platz 14
07. Rebel Yell (6/96) – Platz 8
08. I´m Raving (10/96) – Platz 4
09. Break It Up (12/96) – Platz 15
10. Fire (4/97) – Platz 5
11. The Age Of Love (8/97) – Platz 14
12. No Fate (12/97) – Platz 39
13. How Much Is The Fish? (6/98) – Platz 3
14. We Are The Greatest / I Was Made For Loving You (10/98) – Platz 26
15. Call Me Mañana (2/99) – Platz 16
16. Faster Harder Scooter (7/99) – Platz 7
17. Fuck The Millenium (12/99) – Platz 11
18. I´m Your Pusher (5/00) - Platz 17
19. She’s The Sun (08/00) – Platz 41
20. Posse (I Need You On The Floor) - VÖ 21.05.01 - Platz 7
21. Aiii Shot The DJ - VÖ 13.08.01 - Platz 29
22. Ramp! (The Logical Song) - VÖ 10.12.01 - Platz 7
23. Nessaja – VÖ 08.04.02 – Platz 1
24. Weekend! – VÖ 24.02.03 Platz 2
25. The Night – VÖ 26.05.03 Platz-10
26. Maria (I Like It Loud) – VÖ 11.08.03 Platz 4
27. Jigga Jigga! – VÖ 08.12.03 Platz 10
28. Shake That! – VÖ 04.10.04 Platz 8

Alben Germany
01. …And The Beat Goes On (1995) – Platz 25
02. Our Happy Hardcore (1996) – Platz 17
03. Wicked (1996) – Platz 22
04. Age Of Love (1997) – Platz 19
05. Rough And Tough And Dangerous (Greatest Hits, 1998) – Platz 36
06. No Time To Chill (1998) – Platz 4
07. Back To The Heavyweight Jam (1999) – Platz 7
08. Sheffield (2000) - Platz 11
09. We Bring The Noise - VÖ 11.06.01 - Platz 15
10. Push The Beat For This Jam (The Second Chapter) - VÖ 07.01.02 - Platz 5
11. Encore - Live And Direct" - VÖ 13.05.02 – Platz 13
12. 24 Carat Gold - VÖ 04.11.02 – Platz 49
13. The Stadium Techno Experience – VÖ 31.03.03 Platz 7
14. Mind The Gap – VÖ 11/04

DVD
0
1. Scooter “Encore-The Whole Story“ - VÖ 13.05.02 – Platz 1